Liebe Frau Hansen,
liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
Auch wir von der Solid sind gegen den Wahnsinn nuklearer Bewaffnung und Kriegführung, der noch immer, 65 Jahren nach dem gnadenlosen Inferno von Hiroshima und Nagasaki, die Menschheit mit dem atomaren Holocaust bedroht. Nur eine Welt ohne Atomwaffen kann eine sichere Welt sein.
Daher begrüßen wir, dass sich mit Ihnen Frau Hansen eine weitere „Bürgermeisterin für den Frieden“ engagiert und symbolisch ein Zeichen gegen die weltweite Verbreitung von Atomwaffen setzt. Nach Elmshorn, Halstenbek, Pinneberg und Schenefeld ist Uetersen damit die fünfte Stadt aus dem Kreis Pinneberg, die dem 1982 gegründeten, internationalen Friedensbündnis beitritt.
Der Kalte Krieg ist zwar seit 20 Jahren beendet, doch ernsthaft abgerüstet haben die Atommächte immer noch nicht – obwohl sie sich doch dazu im Atomwaffensperrvertrag verpflichtet haben. Im April haben US- Präsident Obama und sein russischer Partner Medwedew einen Vertrag zur Reduzierung ihrer gigantischen Atomwaffenarsenale unterschrieben. Aber was als radikale Abrüstung vorgestellt und gefeiert wurde, ist bloß eine optische Täuschung. Die versprochene Abrüstung findet fast vornehmlich nur auf dem Papier statt – die Bomben bleiben, man zählt sie nur anders. Auch bei den Dutzenden von US- Atombomben, die noch immer auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel lagern, sträubt sich Washington, sie endlich abzuziehen – obwohl mittlerweile alle im Bundestag vertretenen Parteien diesen Abzug fordern.
So ist unser Ziel von einer Atomwaffenfreien Welt noch lange nicht erfüllt. Mit Frau Hansen sind jetzt 355 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister dem Bündnis für den Frieden beigetreten – das heißt: 355 Kommunen von rund 12000 deutschen Städten und Gemeinden. Das sind gerade einmal knapp 3%! Sicher ist: Es waren schon mal weniger, ebenso sicher aber ist: es müssen noch sehr viel mehr werden. Es bleibt also noch sehr, sehr viel zu tun…
Umfragen zeigen immer wieder, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland Atomwaffen ablehnt. Vor allem Jugendliche sind gegen den Einsatz und die Lagerung von Atomwaffen. Eine Meinungsumfrage von Soka Gakkai International im letzten Monat hat gezeigt, dass sich junge Menschen aus den ofiziellen Atomwaffenstaaten mehrheitlich gegen atomare Waffen aussprechen. Und auch in Deutschland belegte eine Umfrage der Bertelsmannstiftung im letzten Jahr, dass 50% aller Jugendlichen die Verbreitung von Atomwaffen fürchten.
Doch warum kommt es im 21. Jahrhundert zu keiner Friedensbewegung wie in den 80er Jahren?
Brauchen wir mehr Aufklärungsarbeiten an den Schulen, mehr Unterrichtsstunden über dieses wichtige Thema? Oder mehr Aktionen von Friedensorganisationen, Jugendverbänden und Parteien, um die Ablehnung von Atomwaffen offen und nicht nur mit Worten zum Ausdruck zu bringen? Mehr Demonstrationen, Menschenketten oder Massenblockaden, um noch mehr Menschen die Augen zu öffnen oder um sie zu mobilisieren? Unsere Öffentlichkeitsarbeit muss erheblich verstärkt werden, damit interessierte Menschen schneller den Weg zu uns finden.
Wir brauchen diese konkreten Aktionen, um den Menschen und vorallem Jugendlichen zu zeigen, dass es wichtig ist aktiv zu werden und Partei zu ergreifen. Denn nur gemeinsam können wir Zeichen setzen und an die Traditionen und Bemühungen der alten Friedensbewegung anknüpfen.
Für uns von der Solid ist es allerdings auch wichtig, dass Frieden nicht nur atomare Abrüstung bedeutet, sondern ein umfassenderes Projekt ist. Der symbolische und auch sehr wichtige Beitritt zu den Mayors for Peace reicht daher allein nicht aus, um Frieden zu schaffen.
Es ist wichtig, dass parteiübergreifend und auch mit Nichtregierungsorganisationen zusammengearbeitet wird, um auch für die vielen anderen Facetten von Frieden zu kämpfen: für sozialen Frieden - gegen Armut und Ausbeutung, für Gleichberechtigung - gegen die Gewalt gegen Frauen, für die Integration von Randgruppen und Unterprivilegierten - gegen Ausländerfeindlichkeit.
Der Nachteil dieses umfassenderen Begriffs von Frieden ist deutlich: Mehr Arbeit, der Vorteil ebenso: Man kann überall damit anfangen, hier in Uetersen, in Elmshorn, Pinneberg und anderswo!
Packen wir's an.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit