31. August 2013

LINKE fordert Umbenennung der Marseille-Kaserne

Statt, wie kürzlich beim sogenannten „Familienfest“, Kinder auf Kriegsgerät herumturnen zu lassen, muss sich die Bundeswehr endlich zu einer Umbenennung der Marseille-Kaserne entschließen und damit zur Einhaltung der Traditionsrichtlinien bekennen.

Diese Richtlinien sprechen eine klare Sprache: „Ein Unrechtsregime, wie das Dritte Reich, kann Tradition nicht begründen. Kasernen und andere Einrichtungen der Bundeswehr können mit Zustimmung des Bundesministers der Verteidigung nach Persönlichkeiten benannt werden, die sich durch ihr gesamtes Wirken oder eine herausragende Tat um Freiheit und Recht verdient gemacht haben.“

Die Traditionsrichtlinien schließen die Benennung einer Kaserne nach Hans-Joachim Marseille aus. Das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA), eine Einrichtung der Bundeswehr, kommt in einem Gutachten zu dem Schluss: „Die ldealisierung des handwerklichen Könnens, die ausschließliche Orientierung am Erfolg und an den Erfolgreichen (statt auch am Leiden der Verfolgten), steht in der historischen Kontinuität von Bildern der NS-Propaganda. Das Ausblenden des historischen Zusammenhangs zeugt von einem unkritischen Verhältnis zur deutschen Geschichte, wie es die Traditionsrichtlinien ausdrücklich ablehnen.“

DIE LINKE fordert eine Umbenennung der Kaserne und schlägt als Namengeber „Feldwebel Anton Schmid“ vor. Der Name steht für Zivilcourage und Humanität auch unter extremsten Bedingungen. Er, der schon vor dem Krieg verfolgten Juden half, blieb sich auch unter den Bedingungen des faschistischen Vernichtungskrieges treu und tat als Leiter einer Versprengten-Sammelstelle  in Wilna alles in seiner Macht stehende, um möglichst viele zu retten. Bis zu 300 Juden soll er im Wehrmachts-LKW über die Granze nach Weißrussland gebracht haben, wo sie weniger gefährdet waren. Andere beschäftigte er in Werkstätten der Versprengten-Sammelstelle und schützte sie so vor Deportation und Erschießung. Schließlich unterstützte er auch den jüdischen Widerstand, der 1941 begann, sich in Wilna zu organisieren.

Feldwebel Anton Schmid wurde denunziert, verhaftet, von einem Feldgericht zum Tode verurteilt und erschossen.


Download: LINKE fordert Umbenennung in Anton-Schmid-Kaserne
Download: Kurzgutachten des MGFA d. Bundeswehr (Auszug zu Hans-Joachim Marseille)
Download: An den Wehrbeauftragten des Bundestags (Text der Email)